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Grenzen der Geldpolitik: Online-Schnäppchenjäger verursachen Minizinsen

13. Oktober 2015

Schnäppchenjäger im Internet könnten die (nominalen) Mini-Zinsen mitverursachen. Trifft eine entsprechende Studie zu, dann müssten die Notenbanken ihre Inflationsziele überdenken und könnten die Geldpolitik schon jetzt straffen.
„Enteignung“ schallt es den Notenbanken entgegen, weil sie Zinsen erst auf null gesenkt und dann auch noch mittels Anleihekäufen die langfristigen Zinsen drücken. Zwar ist die Welt real betrachtet gar nicht so viel anders als früher, als es bei einer Inflationsrate von 2% auf das Sparbuch 2,5 bis 3% Zinsen gab. Dennoch bleibt das Gefühl des Wertverlustes des Ersparten. Grund dafür sind neben den Nachwirkungen der Finanzkrise in Form einer ultralocker-unkonventionellen Geldpolitik der Spareifer der Menschen. Das Angebot an Geld ist einfach zu groß in einer alternden und deshalb tendenziell wachstumsarmen Volkswirtschaft wie der deutschen.
Die lockere Geldpolitik ist wiederum eine Reaktion auf extrem niedrige Inflationsraten. Bei 2% sehen viele Notenbanken Geldwertstabilität gegeben, weshalb sie aus allen Rohren feuern und hoffen die Inflation hochtreiben zu können.
Möglicherweise sind die 2% aber viel zu hoch gesetzt. Sie stammen aus der alten analogen Welt mit begrenzter Preistransparenz. Doch in der digitalen Welt ist es anders, es herrscht fast wie im ökonomischen Lehrbuch vollkommene Konkurrenz. Darauf weist eine Untersuchung der Fondsgesellschaft M&G Investment hin: weil nämlich immer mehr Verbraucher im Internet shoppen und Preise vergleichen, wird der Markt transparenter. Der „stärkere Druck“ auf den Handel sei im Hinblick auf Inflationsraten „ein nicht zu vernachlässigendes gegensteuerndes Element“, heißt es. E-Commerce übe in bestimmten Branchen eine deflationäre Wirkung aus.

(Hier geht es zur M&G-Inflationsstudie.)

Da haben wir es: Die Verbraucher drücken im Internet die Inflationsrate. Und weil die Notenbanken mit ihren Inflationszielen noch nicht in dieser neuen Welt angekommen sind, drücken Sie Zinsen stärker als sie müssten. Pointe der Geschichte: Was die Verbraucher beim Internet-Einkauf sparen, geht ihnen bei der Geldanlage wieder flöten.
Und natürlich bin ich gespannt, ok es eine akademische Diskussion über Inflationsziele geben wird.
(Stefan Schaaf, Oktober 2015)

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