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Von wegen „jede Marktphase“ – Multi-Asset-Fonds nicht geeignet für die Zinswende

14. Juni 2015

Multi-Assets-Fonds hießen früher mal Mischfonds. Doch das Grundproblem der in der Regel aus Aktien und Anleihen in unterschiedlicher Gewichtung zusammengesetzten Fonds bleibt das Gleiche: Sie werden beworben als geeignete Anlage für jede Marktphase. Dumm nur, dass Multi-Asset-Fonds (MA-Fonds) für eine Zinswende nicht geeignet sind. Deshalb gilt es mit dem Produkt vorsichtig umzugehen. Noch in diesem Jahr könnten die US-Leitzinsen erstmals seit Juni 2006 wieder steigen, was zu einem globalen Renditeanstieg führen dürfte.
Höhere Renditen sind doch prima für Anleger, weil sie eine höhere Rendite auf ihr eingesetztes Kapital erhalten. Oder? Stimmt, das gilt für denjenigen, der eine Anleihe neu erwirbt. Wer bereits investiert ist, für den sieht es ganz anders aus. Damit sich nämlich die Rendite, also die Marktverzinsung, eines Bonds an das höhere Zinsniveau anpassen kann, muss der Kurs einer Anleihe fallen (Rendite ist immer Kurs mal Kupon, letzterer verändert sich nicht außer bei Floatern).
Steigen nun also die Marktzinsen, so wird in MA-Fonds der Kurs der enthaltenen Anleihen fallen, was für Verluste im Depot sorgt. Anleihen erfüllen damit im Fall der Zinswende nicht den Zweck, den sie in MA-Fonds erfüllen sollen: Stabilisierung. Die Idee eines gemischten Fonds ist es, dass Aktien und Anleihen sich in Phasen unterschiedlicher Risikoneigung der Märkte entgegengesetzt verhalten. Ist die Stimmung gut etwas wegen positiver Konjunkturdaten, so steigen die Aktienkurse. Umgekehrt sind Anleihen etwa aus Deutschland als Sicherungsanker für das Geld gefragt, wenn beispielsweise von Griechenland wieder einmal Schockwellen durch die Märkte laufen. Letzteres funktioniert zuletzt schon nicht mehr so recht, aber grundsätzlich balancieren sich die beiden Depotbestandteile über unterschiedliche Risikophasen aus. Nur für die Zinswende gilt dies nicht. Steigende Marktzinsen lassen Aktien unter Renditeaspekten relativ an Attraktivität verlieren, zudem würde die Liquidität im Zuge einer Zinswende wohl sinken. Damit werden auch die Aktienkurse sinken.
Die Folge: Steigen die Leitzinsen, fallen Aktien und Anleihekurse gleichermaßen, der MA-Fonds sinkt folglich im Wert.
Dies soll kein Plädoyer gegen eine MA-Strategie sein. Im Gegenteil: Mit zwei bis vier billigen ETFs per monatlichem Sparplan lässt sich über längere Zeit ein MA-ähnliches Depot aufbauen. Das Grundproblem für die Zinswende löst dies nicht, ermöglicht aber über den Cost-Average-Effekt günstige Zukäufe – in der Erwartung künftiger Kursgewinne. Dennoch sollte das Versprechen „in jeder Marktphase“ kritisch hinterfragt werden. Sicherlich, manche MA-Fonds arbeiten mit derivativen Strategien, welche sich auf steigende Marktzinsen einstellen. Das ist möglich, aber es kostet auch Geld und damit letztlich Rendite.
Vorsicht ürigens auch bei Rendite-„Versprechen“ auf historischer Basis: Sie sagen nichts über die Zukunft aus.

(Stefan Schaaf, Juni 2015)

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