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Zaubert Mario Draghi erneut – diesmal mit „Agency“-Bonds

16. November 2014

Die EZB ist mit ihren geldpolitischen Möglichkeiten am Ende, liest man. Stimmt nicht, das gilt nur für die konventionelle Geldpolitik, deren Grenze mit einem Null-Leitzins erreicht ist. Bleibt die unorthodoxe Geldpolitik, die keineswegs nur noch die Möglichkeit zu Staatsanleihekäufen hat. Als Alternative gelten Unternehmensanleihen, was die Notenbank jüngst via Reuters selbst kommunizierte. Es gibt jedoch noch eine Alternative, die deutlich wirkungsvoller sein könnte und politisch weniger heikel als Staatsanleihekäufe sein dürfte. Auf die Idee brachte mich dieser Tage ein Rentenmarkt-Stratege einer deutschen Landesbank: Die EZB könnte Anleihen von supranationalen und halbstaatlichen Institutionen wie der KfW oder dem Euro-Rettungsfonds ESM am Markt kaufen. Es gebe, so der Banker, am Markt Spekulationen, die EZB könnte diese „Agencies“ bzw. SSA-Bonds genannten Schuldverschreibungen kaufen, bevor sie zu ultimativen Staatsanleihekäufen schreitet.

Zaubert Mario Draghi erneut, in dem er Käufe von SSA-Bonds im Kampf gegen Disinflation und deflatorische Tendenzen aus dem Hut zaubert? Es gibt in jedem Fall einige gute Argumente, warum er mit dem Kauf von „Agency“-Bonds das Ziel erreichen könnte, die EZB-Bilanz wieder auf drei Bill. Euro aufzupumpen und damit einen monetären konjunkturellen Impuls zu setzen.

1. Volumen:

Es gilt als unwahrscheinlich, dass die EZB ihr Drei-Billionen-Euro-Ziel nur durch den eher schleppend aufgenommen Spezial-Langfristtenter (TLTRO) sowie den Aufkauf von ABS und Covered Bonds erreichen kann. Das aufkaufbare Volumen der letzten beiden Anlageklassen ist zu gering, um dieses Ziel zu erreichen. Ganz anders bei Agency-Bonds: Das auf Euro lautende ausstehende Volumen beträgt laut Dealogic 2,38 Bill. Euro. Rund ein Viertel davon kommt aus Deutschland. Zudem ist das Emissionsvolumen seit Jahren auf konstant hohem Niveau, wie die Grafik zeigt. Damit dürfte genug Volumen zum Aufkauf zur Verfügung steht, zumal die EZB mit dem Instrument SSA anders als mit Unternehmesanleihen oder ABS vertraut ist. Notenbanken nutzen diese Art von Bonds ohnehin im Alltagsgeschäft zur Anlage ihrer Devisenreserven.

20141114_SSA

2. Monetärer Impuls:

Das hohe Volumen würde helfen, das eigentlich Ziel der Aufkäufe zu erzielen (abgesehen von der Euro-Abwertung): Die EZB könnte einen deutlichen monetären Impuls gegen die Konjunkturschwäche setzen. Denn klar ist: Der geldpolitische Transmissionsmechanismus ächzt und knarzt derzeit, aber eine höhere Notenbank-Bilanz dürfte dennoch positiv auf die Konjunktur wirken. Denn umgekehrt ging mit dem Schrumpfen der EZB-Bilanz zu Jahresbeginn (wegen Rückflüssen aus den Dreijahres-Tendern) die konjunkturelle Dynamik in der Eurozone deutlich zurück (neben anderen Faktoren natürlich).

3. Handlungsfähigkeit:

Würde die EZB SSA-Bonds an Stelle von Staatsanleihen kaufen, hätte sie noch immer die ultamative Bazooka in der Hinterhand. Das würde ihre Handlungsfähigkeit gewährleisten für den Fall eines Extrem-Ereignisses.
Konjunkurförderung: Die EZB wird diesen Punkt immer ablehnen, aber sie könnte durch SSA-Käufe die Finanzierung eines großen europäischen Infrastrukturprogramm absichern. Komissionspräsident Juncker will 300 Mrd. investieren. Wäre das monetäre Staatsfinanzierung? Für die Dogmatiker wäre dies ganz klar. Pragmatisch betrachtet muss man sagen, es wäre mindestens nicht ganz koscher. Aber vielleicht besser als jahrelange Krise und politische Friktionen, die eine Neo-Faschistin ins französische Präsidentenamt bringen könnte.

4. Europäischer Kompromiss:

Und damit sind wir bei der großen Politik oder vielmehr der Kunst des europäischen Kompromisses. SSA-Käufe würden das Ziel der Bilanzausweitung ermöglichen, ohne gleich bei der monetären Staatsfinanzierung zu sein. Berlin dürfte pragmatisch genug sein diesen Weg mitzugehen und die Bundesbank, die sich strikt gegen Staatsanleihekäufe in der derzeitigen Situation sperrt, könnte ihr Gesicht wahren.

(Stefan Schaaf, November 2014)

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