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Gilts – die riskantesten Fast-AAA-Bonds

12. September 2014

Das nennt man Langmut: Die großen Ratingagenturen halten bei Großbritannien noch immer still, obwohl das Land auseinander zu brechen droht. Die Chance steht offenbar 50:50, dass die Schotten in wenigen Tagen die Unabhängigkeit wählen. Sollte es dazu kommen, steigt in jedem Fall das Kreditrisiko bei britischen Staatsanleihen, egal wie der Übergang geregelt wird. Aktuell hat Großbritannien nur bei S&P noch eine Top-Bonität, bei Moody’s und Fitch liegt die Note jeweils eine Stufe unter AAA.

Unterstellen wir einen Sieg der Abspaltungsbefürworter (Yes-Kampagne) am 18. September. Daraus folgen für Gilts vier mögliche Szenarien:
Szenario 1: Rest-UK garantiert für alle ausstehenden Gilts. Dann würde die restbritannische Schuldenquote im Vergleich zum BIP ordentlich steigen.
Fazit: Credit negative.
Szenario 2: Schuldenaufteilung ohne Währungsunion mit Rest-UK, Schottland garantiert Rückzahlung seines Anteils in Sterling. Nun, ein Nicht-EU-Staat mit abwertungsgefährdeter neuer Währung ohne Reputation an den Märkten? Wer traut dem schon? Selbst wenn Schottland Mitglied der Eurozone wird, würde dies Jahre dauern. Und das Renomme von Euro-Anleihen ist, nun ja, nicht das höchste.
Fazit: Credit negative.
Szenario 3: Schuldenaufteilung mit Währungsunion. In der Eurozone nennt man das Haftungsunion und lehnt es insbesondere in Deuschland aus guten Grund ab. Würde Rest-UK für die schottischen Schulden garantieren, würde das nicht nur das Pfund belasten. Rest-UK würde implizit für die schottischen Schulden garantieren, bei geringerer Wirtschafts- und Steuerkraft als bisher. Das entspricht Szenario 1. Fazit: Credit negative.
Szenario 4: Keine Einigung zwischen London und Edinburgh, ggf. begleitet von Unruhen zwischen Nationalisten und Unionisten. Damit Risiko eines Defaults. Fazit: Credit doppelt negative.
Fazit: Obwohl UK fast noch mit AAA bewerten wird, steigt das Kreditrisiko mit der Perspektive einer schottischen Unabhängigkeit deutlich an. Hinzu kommen mögliche Währungseffekte, da in Folge der Unsicherheit nach der Abspaltung des Pfund Sterling wohl deutlich abwerten würde. Gilts dürften daher die riskantesten Fast-AAA-Bonds sein.
(Stefan Schaaf, September 2014)
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