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Niedrigzinswährung (4): Danke, liebe Schweiz

28. August 2014

Ja, es hängt alles mit allem zusammen. Der jüngste Beleg kommt aus der Schweiz, die – vereinfacht gesagt – Deutschland beim Ausgleich des Bundeshaushaltes hilft. In gewisser Weise ist das natürlich auch eine Folge der Staatsschuldenkrise. Aber der Reihe nach:
Ganz am Anfang steht der Schweizer Franken als traditionelle Fluchtwährung, nicht nur für zwielichtige Diktatoren. Sondern auch für risikoscheue Anleger. Kein Wunder, dass der Franken stieg, als der Stern des Euro vor drei Jahren zu sinken schien. Heute sind wir schlauer, aber egal.
Ein starker Franken hieß Deflationsgefahr für die Schweiz. Das wollte die Schweizer Nationalbank nicht hinnehmen und verkündete, dass der Euro nicht schwächer als 1,20 Franken werden sollte. Weil Worte allein nicht halfen, intervenierte die SNB am Devisenmarkt und kaufte Euro. Seither hielt die Obergrenze. Zugleich türmte die SNB hohe Euro-Bestände auf.

Doch nun gerät die Obergrenze ins Wackeln. Weil der Euro zum Dollar vor allem wegen divergierender Geldpolitik kräftig abwertete, kam er auch zu anderen Währungen unter Druck, die 1,20 Franken sind in Gefahr. Damit es soweit nicht kommt, es geht auch um die Glaubwürdigkeit der SNB, könnte sie, so Marktspekulationen, dieser Tage wieder intervenieren.

Und damit kommt der deutsche Bundeshaushalt ins Spiel. Interveniert eine Notenbank, dann tauscht sie natürlich kein Bargeld ein. Vielmehr kauft sie Assets in der Währung, die sie stärken möchte, in der Regel Staatsanleihen. Deshalb dürfte die SNB wohl deutsche, italienische und andere Anleihen aus der Eurozone kaufen und damit deren Renditen weiter nach unten drücken. Zehnjahres-Bunds unter 0,9%, Italien auf dem Niveau der USA. Die Schuldenlast ist dadurch noch billiger zu refinanzieren, die Zinsersparnis kann verjuxt werden (Man könnte sie, wie kürzlich geschrieben, auch investieren in Wachstum.)

Danke liebe Schweizer, dass ihre unsere Rentengeschenke mitfinanziert.

(Stefan Schaaf, August 2014)

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