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Niedrigzinsen (3): Bahnbau statt Herdprämie – Was der Bund mit der Zinsersparnis fürs Wachstum tun könnte

21. August 2014

Was hat ein Bürger davon, wenn der Staat weniger Zinsen zahlt? Dieses Thema diskutierte ich kürzlich via Twitter mit einem meiner Follower. Intuitiv ist es natürlich vorteilhaft für den Steuerzahler, wenn der Bund sich Geld zu einem Prozent für zehn Jahre statt zu drei Prozent pumpen kann. Aber was heißt das konkret, insistierte der Follower zu Recht. Mehr Bildungsausgaben, weniger Steuern?

Geld wäre jedenfalls da. Rund 200 Milliarden Euro refinanziert der Bund jährlich am Markt. Kann er dies ein Prozent billiger machen, spart er 2 Milliarden Euro – Jahr für Jahr. Es ist wohl noch mehr, bei zehnjährigen Bundesanleihen beträgt der Renditerückgang seit Beginn der Finanzkrise vor sieben Jahren (Subprime, IKB, ein Jahr später Lehman) sogar gut zwei Prozent. Bleiben wir konservativ bei einem Prozent, dann macht das pro Einwohner in Deutschland 25 Euro, Jahr für Jahr. Die 25 Euro müssen bei der oft beklagten „Enteignung“ der Sparer übrigens gegengerechnet werden.

Nur sie sind, darauf wollte der Follower wohl hinaus, schwer zu fassen. Der Bund fährt seine Neuverschuldung und zurück und tilgt möglicherweise schon bald netto Altschulden. Und er finanziert Geschenke für die reichste Rentner-Generation, die dieses Land je gehabt wird, und zahlt eine ‚Herdprämie‘, die offenbar vor allem die Integration von Zuwanderer-Kindern behindert.

Wachstumsimpulse sähen anders aus. Dennoch haben, um beim Thema zu bleiben, sinkende Zinskosten einen monetären und einen psychologischen Effekt. Monetär, weil sie künftige Steuern und damit auch Umverteilung von Arbeitnehmern zu Rentiers verhindert. Schließlich dürfte diese Erwartung – in angebotstheoretischer Argumentation – wachstumsfördernd sein. Ist hat ein bisschen abstrakt die ökonomische Lehre. Aber, da stimme ich dem Follower zu, Bildung und Infrastruktur wären schon besser. Bahnausbau zum Beispiel.
(Stefan Schaaf, August 2014)

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