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Niedrigzinsen (2): Falsche Erwartungen und der Zins-Average-Effekt

28. Juli 2014

Gibt es ein Grundrecht auf angemessene Sparzinsen? Die öffentliche Debatte in Deutschland suggeriert: Ja. Aber es gibt, wie Kollege Mark Schieritz kürzlich in der „Zeit“ bemerkte, kein Grundrecht auf risikolose Rendite. Deshalb lautet das Mandat der EZB ja auch auf Geldwertstabilität, und nicht auf auf auskömmliche Sparzinsen. Die Notenbank kann also nicht die Zinsen zugunsten deutscher Sparer erhöhen.

Dennoch fühlen sich viele Sparer von negativen Realzinsen enteignet. Kurzfristig haben sie mit ihrer Wut auf die finanzielle Repression auch recht. Im vorherigen Beitrag war der Zinsverlust von 67 Euro pro Jahr und Sparer in Deutschland mit der Quelle Allianz genannt worden. Das ist der Preis für die Krise.

Allerdings haben viele Sparer auch überzogene Erwartungen an die Verzinsung ihres Ersparten. Jahrelang wurden sie von Direktbanken mit hohen Zinsen gelockt, die inzwischen die Erwartungsbenchmark bilden. Doch 4 Prozent auf Tagesgeld bei guten Adressen waren vor 10 Jahren zum einen subventionierte Lockvogelangebote. Sie resultierten aber auch aus dem damaligen Konjunkturboom in der Eurozone und dem daraus resultierenden hohen Zinsniveau. Der Boom ging an Deutschland vorbei seinerzeit, das Zinsniveau war hierzulande viel zu hoch für eine Krise. Mit anderen Worten: Die Deutschen haben für die Krise viel zu hohe Sparzinsen kassiert. Hat sich jemand darüber aufgeregt, bei „Christiansen“ oder anderswo?

Über einige Jahre oder Konjunkturzyklus hinweg gleichen sich zu hohe und zu niedrige Sparzinsen auf, nähern sich quasi dem „natürlichen“ Zins an. Das ist wie bei einem Fondssparplan, bei dem man vom Cost-Average-Effekt spricht.In guten Zeiten erwirbt man für seine monatliche Sparsumme wenige, in „billigen“ Zeiten mehr Fondaanteile.
Die deutschen Sparer erleben quasi einen Zins-Average-Effekt über die Jahre hinweg. Die Geschenke von einst werden derzeit zum Teil wieder eingesammelt.

P.S. Wie wäre es mit einem ETF auf Dividendenaktien? Da gibt es noch 4% und mehr Sicherheit als bei obskuren globalen Tagesgeldkonten.

(Stefan Schaaf, Juli 2014)

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