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ABS in der Peripherie: Zu früh für Entwarnung

15. Dezember 2013

Klare Daten heißt nicht klare Lage. Dies gilt auch für die tags zuvor hier gebloggten Daten zur wieder belebten Verbriefungsaktivität in den Randstaaten der Euro-Zone. Die Frage war bereits angerissen worden: Ist der höchste Stand an emittierten ABS-Papieren tatsächlich ein Zeichen der Normalisierung und zurückkehrenden Risikobereitschaft?

Zunächst noch einmal ein Blick auf die von Dealogic berechneten Daten: Im fast zu Ende gegangenen Jahr 2013 wurden in den fünf Staaten der so genannten Euro-Peripherie (Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Irland) mit 8,3 Mrd. Dollar ein so hohes ABS-Volumen wie seit 2008 (9,9 Mrd. Dollar) und damit dem Beginn der Finanzkrise emittiert. Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich das Volumen YTD sogar verneunfacht, wie Andrew Calero von Dealogic berechnet hat. Weitere Ergebnisse der Datenanalyse:

  • Der Anteil der Peripherie am europäischen ABS-Markt beträgt in diesem Jahr 32 Prozent, 2012 waren es gerade einmal acht Prozent. Das ist insofern bemerkenswert, als in Deutschland der Markt für Auto-ABS weiterhin läuft und läuft wie ein Käfer.
  • Der periphere ABS-Markt wird von Spanien mit einem Anteil von 50 Prozent dominiert. Ein Zeichen für eine beginnende wirtschaftliche Erholung Spaniens, das den Weg aus der Rezession geschafft hat.
  • Italien hat sogar das höchste ABS-Niveau seit 2007 geschafft und das 2012er Level verdoppelt auf 2,2 Mrd. Euro.
  • Erstmals seit Juli 2012 hat ein portugiesischer Emittent wieder eine Verbriefung an den Markt gebracht. Atlantes Finance No plc hat 177 Mio. Euro platziert. Bleibt allerdings die Frage, warum mittels dieses Vehikels Auto- und Konsumentenkredite aus Deutschland in Portugal verbrieft wurden?

Bleibt allerdings die Hauptfrage: Ist der kräftige Anstieg des Emissionsvolumens der als Hochrisiko-Anlageklasse geltenden Assed Backed Securities (ABS) ein Baustein der wirtschaftlichen Normalisierung? Um diese Frage beantworten zu können, müsste die Frage geklärt werden, welcher Anteil des Volumens platziert wurde. Also von Investoren gekauft wurde, die wieder an Anlagen in Portugal oder anderswo glauben. Nur wenn dieser Anteil signifikant wäre, könnte von Normalisierung gesprochen werden.

Möglich ist nämlich auch, dass die ABS-Papiere lediglich mit dem Ziel aufgelegt wurden, sie bei der Europäischen Zentralbank als Collateral zur Refinanzierung einzureichen. Dies war in den vergangenen Jahren bei einem sehr hohen Anteil von Verbriefungen in der Peripherie der Fall. Erst wenn die Papiere nicht mehr direkt zur EZB wandern, kann von einer Trendwende die Rede sein.

Schließlich wäre die Frage zu klären, ob tatsächlich Kredite aus den Ländern verbrieft wurden oder wie im Falle von Atlantes Finance deutsche Kredite in Portugal in ABS gepackt wurden. Erst wenn in den Krisenländern wieder Kredite an Unternehmen vergeben werden, kommt dort die Wirtschaft in Gang und ein Ende der Krise wäre absehbar.

Fazit: Der deutliche Anstieg des in den fünf Euro-Peripherie-Ländern emittierten ABS-Volumens ist ein Zeichen für eine wirtschaftliche Entspannung. Solange aber ungeklärt ist, ob die Papiere auch bei Investoren ausplatziert werden konnten, kann vom Ende der Krise keine Rede sein.

(Stefan Schaaf, Dezember 2013)

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