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BPO, the Next-Big-Acronym

24. September 2013
Die Finanz- und Staatsschuldenkrise ist zwar noch nicht überwunden, aber das Schlimmste dürfte ausgestanden sein. Zeit also für die Finanzindustrie, dass sie tut, was sie besonders gut kann: Akronyme aus drei Buchstaben kreieren. Wir erinnern uns: CDS, CDO oder ABS waren die Synonyme der Krise, TARP (ausnahmsweise vier Buchstaben) und OMT stehen für die Krisenbewältigung. Zeit also für ein Nachkrisen-Akronym, das einerseits mit Finanzen, andererseits aber wegen des Misstrauens gegen die Finanzbranche auch etwas mit Realwirtschaft zu tun hat. Das Next-Big-Akronym könnte PBO sein. Die drei Buchstaben stehen für Bank Payment Obligation.
Diese standardisierte Zahlungsverpflichtung soll als Absicherungsinstrument im internationalen Handel an Bedeutung gewinnen. Im Frühjahr hat die International Chamber of Commerce mit einheitlichen Regeln den Weg dafür frei gemacht. Im Kern geht es um die standardisierte, elektronische Abwicklung von Zahlungen im Außenhandel. Das soll schneller gehen als bisher und billiger für die Exporteure werden. Bislang testest die britische Großbank Standard Chartered, die im Asiengeschäft sehr stark ist, das Instrument mit BP Chemicals. Laut dem Fachmagazin „EuroTreasurer“ stehen jedoch die Commerzbank, die Deutsche Bank, UniCredit und Barclays in den Startlöchern.
Den Banken könnte die BPO gerade recht kommen, müssen sie doch ihre Bilanzen schrumpfen und ihr Geschäft stärker mit Eigenkapital unterlegen. BPOs versprechen laut dem Zahlungsanbieter Swift ein „Low Risk Business“ und einen „Prudent Use of Capital“. Außerdem, so Swift, könnten BPO die Tür für „New Business Opportunities“ eröffnen.
Was das mit dem Finanzmarkt zu tun hat? Nun, BPOs sind schließlich standardisierte Finanzprodukte. Da fällt es aus der Erfahrung heraus leicht sich vorzustellen, dass auf die an sich unter Risiko-Aspekten recht unproblematischen BPOs Indizes und Derivate aufgelegt werden. Dann folgen Derivate auf BPO-Indizes und Indizes auf BPO-Derivate und gehebelte Derivate auf BPO-Indizes. Möglicherweise also the Next Big Thing – diesmal ganz sicher, weil es ja um Außenhandel und Realwirtschaft geht.
(Stefan Schaaf, September 2013)
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