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Hybridanleihen – der geborgte Boom (and more Sommer 2013)

11. September 2013

Der Markt für europäische Hybridanleihen boomt in diesem Jahr wie noch nie. Das ist einerseits ein Zeichen der Entspannung in der noch immer gärenden europäischen Staatsschuldenkrise. Aber der Boom ist auch ein Zeichen der Verzweiflung vieler Investoren: Angesichts mickriger Zinsen müssen sie immer höhere Risiken eingehen um ihre Renditeversprechungen zu erfüllen. Die risikoreichen, aber höher als normale Unternehmensanleihen verzinsten Hybridbonds kommen da gerade recht. Der Renditeaufschlag zu vorrangigen Corporate Bonds beträgt laut RBS-Berechnungen drei Prozentpunkte (zitiert nach Bloomberg).

Hybridanleihen gelten gemeinhin als Zwitter zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Das stimmt nicht ganz, denn sie sind zunächst einmal einfach sehr nachrangige Anleihen. Sie laufen sehr lange oder gar endlos, der Emittent darf Zinszahlungen ähnlich wie bei Genussscheinen aussetzen oder das Papier vorzeitig zu bestimmten Zeitpunkten zurückzahlen. Wegen dieser Konstruktion nähern sie sich in der Bilanz dem haftenden Eigenkapital an. Das kommt insbesondere bei Ratingagenturen gut an, die Hybridkapital in der Regel zur Hälfte dem Eigenkapital zurechnen. Das hilft insbesondere hoch verschuldeten Firmen. Denn der Kniff bedeutet für den Emittenten ein besseres Rating, ohne dass er für das rechnerisch höhere Eigenkapital etwa neue Aktien ausgeben und damit bestehende Aktionäre verwässern müsste.

Da Hybridanleihen eine riskante Sache sind, waren sie während der Krisenjahre nicht sehr gefragt. Doch das hat sich dieses Jahr geändert, wie Zahlen des Datendienstleisters Dealogic zeigen. Europäische Firmen haben demnach bis Mitte August (und wegen der Ferien dürfte es kaum mehr geworden sein) 22 Hybridanleihen über insgesamt 23,​2 Mrd. Dollar (17,​8 Mrd. Euro) am Markt platziert, das ist dreimal so viel wie im gesamten Jahr 2012. Und die traditionell emissionsstarken Monate September und Oktober stehen noch vor der Tür. Die 23 Mrd. Dollar sind aber auch im Vergleich zur „goldenen“ Zeit vor der Krise ein Rekordjahr. Selbst im Boomjahr 2006 kamen nur knapp 10 Mrd. Dollar zusammen. Im Krisenjahr 2008 kamen mit zwei Deals nur noch 425 Millionen Dollar zusammen. Dealogic hat für seine Statistik Bonds ab einem Volumen von 500 Millionen Dollar berücksichtigt. Zu dem Boom dürfte auch beigetragen haben, dass die Ratingagenturen ihre Regelungen Hybrid-freundlicher gestalteten.

An Deutschland ging der Boom bislang allerdings vorbei. Nur die Deutsche Bank brachte im Mai ein Papier über 1,​5 Mrd Dollar an den Markt. Hingegen nahm im übrigen Europa das Geschäft deutlich Fahrt auf, wobei mit Telecom Italia und dem spanischen Versorger Iberdrola auch Schwergewichte aus Südeuropa mitmischten. Die großen Emissionen stammten weitegehend aus den Sektoren Telekom und Versorger, die als traditionell defensiv gelten. Grund dafür ist weniger konjunkturanfälliges Geschäft und der stete Geldfluss von Strom- oder Telefonkunden. Investoren erwarten daher, dass die Firmen auch langfristig die nachrangigen Zinszahlungen werden leisten können.

Es kann aber auch schief gehen, insbesondere wenn ein Hybrid-Emittent ins Schlingern gerät. Jüngstes Beispiel ist die Restrukturierung der Immobilienfirma IVG, bei der die Besitzer der Hybridanleihen des Unternehmens leer ausgehen. In der Existenzkrise heißt Nachrang eben auch Totalverlust.

Problematisch können Investitionen in Hybridanleihen auch werden, wenn in einigen Jahren die Zinsen wieder auf Vorkrisenniveau oder wegen einer höheren Inflation sogar darüber hinaus steigen. Dann werden die Kurse dieser langlaufenden Papiere fallen, Investoren müssen Wertberichtigungen vornehmen und erleiden Buchverluste. Mit anderen Worten: Die höheren Erträge von heute sind auf Kosten künftiger Verluste geborgt.

(Stefan Schaaf, August 2013)

Tiefer geht immer – Markt für Covered Bonds immer mauer

Anleger dürften mit Covered Bonds wohl immer weniger verdienen. Der Grund: Das Volumen an neuen gedeckten Bankanleihen schrumpft deutlich, weshalb die Renditen weiter sinken dürften. Denn dem sinkenden Angebot steht eine anhaltend hohe Nachfrage gegenüber. Dazu trägt die Regulierung bei, aber auch die Vorliebe vieler Investoren für diese meist mit Hypotheken besicherten Anleihen. Hohe Nachfrage heißt zwar hohe Kurse. Doch wer sich vor Investoren kaum retten kann, der kann seine Wertpapiere auch zu niedrigen Zinsen losschlagen. Bei Pfandbriefen, der deutschen Variante des Covered Bonds, kann sich derzeit glücklich schätzen, wer noch ein Papier hält, bei dessen Rendite überhaupt noch eine Eins vor dem Komma steht. Niedrige Renditen sind das Spiegelbild hoher Kurse. Sicher, mit gedeckten Bankanleihen aus Spanien (Cedulas) gibt es deutlich mehr zu holen als mit Pfandbriefen. Aber sie sind auch ein deutlich riskanteres Geschäft.

Im April war das Volumen neuer Covered Bonds aus aller Welt bereits auf den tiefsten Stand seit 2009 gerutscht. Die Talfahrt ging weiter, wie der Datenanbieter Dealogic errechnet hat. Das Emissionsvolumen ist im laufenden Jahr um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit auf das geringste Niveau seit 2002 eingebrochen. 130,​1 Mrd. Dollar (100 Mrd. Euro) kamen zusammen. Die Zahl der emittierten Papiere war mit 299 sogar so niedrig wie seit 1996 nicht mehr – einem Jahr, als außerhalb Deutschlands Covered Bonds noch eine recht exotische Angelegenheit waren.

Wie sehr der globale Markt schrumpft, zeigt sich an der Entwicklung in Deutschland. Hier zu Lande wurden 2013 bislang Pfandbriefe über 22,​5 Mrd. Dollar emittiert, weniger waren es zuletzt 1995. Trotz des Rückgangs reicht es für den global größten Marktanteil (17 Prozent). Das zeigt, wie sehr der Markt in anderen Ländern eingebrochen ist. Dies dürfte vor allem für Spanien gelten, einem Markt einem der größten ausstehenden Volumina an Covered Bonds. Die Talfahrt dort verwundert nicht: Das Neugeschäft ist angesichts einer geplatzten Immobilienblase und der anhaltenden Rezession in sich zusammen gebrochen. Und jenseits der stabilen Großbanken Santander und BBVA ist das Misstrauen gegenüber iberischen Banken groß. Gingen sie an den Markt, so würden Investoren ihnen wohl kaum Anleihen abkaufen. Zudem steht den Banken in Spanien wie in der Euro-Zone eine kostengünstige Alternative zum Markt zur Verfügung: die Europäische Zentralbank (EZB). Deren Bilanz schrumpft im Gegensatz zu anderen großen Zentralbanken zwar schon wieder kräftig, dennoch stellt die EZB den Banken noch immer reichlich und günstig Liquidität zur Verfügung.

(Stefan Schaaf, August 2013)

Investieren wo andere Urlaub machen – Die Wette auf spanische RMBS

Da zuckt der Investor, und das nicht zu Unrecht: Investieren in Spanien, in den Immobilienmarkt und dann auch noch mittels der als „toxisch“ geltenden Anlageklasse Verbriefung. Das braucht auf jeden Fall Mut und ist nichts für Hobby-Investoren. Schließlich erhielt der Markt einen Doppelschlag aus Finanzkrise (ausgehend von den USA) und Euro-Staatsschuldenkrise (ausgehend von Griechenland).

Doch die Wette kann aufgehen. Die Renditen auf nicht wenige der ausstehenden Immobilien-Verbriefungen in Spanien sind so hoch, dass ein Investor seinen Schnitt machen kann, selbst wenn die Papiere noch vor der Fälligkeit nicht mehr bedient werden. So jedenfalls die Argumentation von Ann-Kristin Möglich und Ralf Raebel von der DZ Bank. Die beiden gehören zu den wenigen verbliebenen Bankanalysten, die sich in Deutschland ernsthaft mit Verbriefungen befassen. Dennoch: Ihr Vorschlag zur Investition in spanische Immobilien-Verbriefungen klingt wagemutig. Und er ist auf jeden Fall Ausdruck der Verzweiflung vieler Investoren angesichts mickriger Renditen allenthalben. Was tun, fragen sich viele Profi-Anleger, wenn eine langlaufenden Daimler-Anleihe gerade noch die Inflation ausgleicht und der Kauf einer Bundesanleihe sogar real Geld vernichtet.

Also auf nach Spanien in die schillernde Welt der RMBS, der Residential Mortgage Backed Securities. Für diese Anleihen wurden Hypothekenkredite auf Häuser und Wohnungen von den Banken nach Risikoklassen gebündelt und an Investoren verkauft. Aus den Hypothekenzinsen fließen Zins und Tilgung an Anleger. Der Renditeaufschlag gegenüber den relevanten Geldmarkzinsen liegt bei durchschnittlich 400 Basispunkten. Das ist rund achtmal so viel wie für vergleichbare niederländische Papiere, obwohl die Immobilienpreise in Holland fallen.

Anders als bei Covered Bonds, in Spanien Cedulas genannt, garantiert keine Bank für die RMBS-Rückzahlungen. Daher gehen deren Käufer leer aus, falls immer mehr
Spanier ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Dies gilt insbesondere für die Käufer von Tranchen niedriger Kreditqualität (Junior- bzw. Mezzanine-Tranchen). Diese Gefahr wird immer größer: 2012 fielen in Spanien immerhin 4,​5 Prozent des Hypothekenbestandes aus, bis zum Ausbruch der Krise waren es rund 0,​5 Prozent im Jahr. Doch seit 2008 stürzen die Immobilienpreise in Spanien fast ungebremst ab. Sie schmierten seit ihrem dem Höchststand zum Jahreswechsel 2007/​2008, gemessen am Tinsa-Index, im Schnitt um rund 40 Prozent ab. Allerdings: Damit liegt der Index für spanische Wohn-Immobilien in etwa wieder auf dem Niveau von 2003/​2004, was zeigt wie sehr sich die Blase zuletzt aufgepumpt hatte.

Der Preisrutsch verschärft die Lage Kreditnehmer, deren Verbindlichkeiten unverändert bleiben – und das bei steigender Arbeitslosigkeit. Inzwischen stehen bei rund einem Drittel der spanischen Häuslebauer die Kredite unter Wasser, das heißt die Schulden sind inzwischen größer als der Wert der Immobilie. Und dieser Wert könnte weiter steigen, warnt die Ratingagentur Standard & Poor’s. Befinden sich die Besitzer im Bereich des „negativen Eigenkapitals“, so kann dies für sie katastrophale Folgen haben: Verlieren sie ihren Job und können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, so kommt es zur Zwangsräumung und –vollstreckung. Weil der Verkaufspreis so weit unter den Kaufpreis und damit möglicherweise unter die ausstehende Kreditsumme gefallen ist, verlieren immer mehr Spanier Haus oder Wohnung und stehen dennoch mit einem Haufen Restschulden da. Kein Wunder, das die sozialen Spannungen wachsen. Daher wurden auch Gesetze kreditnehmerfreundlicher gestaltet, was allerdings zu stärkeren Ausfällen bei den Kreditgebern führen dürfte.

Für ein wenig Entlastung sorgen allerdings Nordeuropäer. Denn der Betongold-Hype der Deutschen macht auch vor der Costa Brava und Mallorca nicht halt. Die anhaltend starke Nachfrage von Ausländern nach Ferienimmobilien in Spanien bremst den Preisverfall ab.

Das ist das Umfeld, in dem mutige Investoren nach Ansicht der DZ-Bank-Analysten auf Schnäppchenjagd gehen sollte. „Spanische RMB bieten absolut hohe attraktive Spreads“, schreiben sie in ihrer jüngsten Publikation und raten zu den Jahrgängen vor 2006. Weiter heißt es: „Für risikofreudigere Anleger, die zudem auch weniger ratingsensitiv sind, bieten sich (…) auf Einzeltitelebene selektive Investitionsopportunitäten.​“

Die DZ-Bank-Analysten Möglich und Raebel haben vier mögliche Strategien entwickelt:

1. Cherry-Picking: Von allem nur das Beste, also ein Kauf der Outperformer
2. Fallen-Angel-Strategie: die besten unter den Schwachen herausfiltern
3. Turnaround-Strategie: Es gibt deutlich mehr Spielraum für positive Überraschungen als negative Impulse
4. Harakiri-Strategie: Totalabschreibung wird in Kauf genommen, aber dafür sind die Rendite bis dahin exorbitant

Für jede Strategie haben die beiden einige RMBS-Anleihen herausgefiltert. Sie finden sich mit der gesamten Studie hier:
http:​/​/​www.​true-sale-international.​de/​fileadmin/​tsi_downloads/​ ABS_Aktuelles/​Verbriefungsmarkt/​AB_Watcher_2013_06_25_Nr_197­_de.​pdf

Wem das alles zu riskant ist, dem bleibt, einen erholsamen Urlaub in Spanien zu verbringen.

(Stefan Schaaf, Juli 2013)

Pfandbriefen droht kein Zinsschock

Ups, da mussten Pfandbrief-Investoren erst mal schlucken. Sie sind halt Kursstürze, anders als Aktien-Anleger, halt nicht gewohnt. Nun war es aber soweit: Weil die Fed über einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ein klein wenig laut nachdachte, schossen in aller Welt die Zinsen hoch. Dem konnten sich auch die als extrem sichere Anlage geltenden Pfandbriefe nicht entziehen. Das Spiegelbild des Renditeanstiegs war der Kurssturz: Der von der Deutschen Börse berechnete Index eb.​rexx Jumbo Pfandbriefe (Jumbos sind Pfandbriefe über 1 Mrd. Euro) schmierte regelrecht ab – jedenfalls im Vergleich zur sonst üblichen Behäbigkeit des Marktes. Auch wenn die Fed nun etwas zurück ruderte, seit Dezember büßte der eb.​rexx Jumbo fast zwei Indexpunkte ein, im Juni war es noch mal ordentlich runter gegangen. Und plötzlich lagen ETFs auf Pfandbriefe wie der iShares eb.​rexx (R) Jumbo Pfandbriefe (DE) im Minus – eine ungewohnte Erfahrung.Die Frage ist nund: Geht’s weiter abwärts mit den Kursen und hoch mit den Renditen bei Pfandbriefen? Die Fed wird weiter öffentlich über das Ende von QE nachdenken, die dadurch ausgelöste Volatilität wird ihren Tribut in Form höherer Spreads fordern. Aber darüber hinaus sprechen einige Argumente gegen weitere Kursverluste bei Pfandbriefen, den mit Hypotheken oder Forderung gegen die öffentliche Hand besicherten Bankschuldverschreibungen aus Deutschland. Vereinfacht gesagt ist der Grund: Während Markt schrumpft, wird die Nachfrage weiter steigen.

Sinkendes Angebot:
In Deutschland fließt mehr Geld aus Pfandbriefen zurück an Anleger als neu an diesen Papieren emittiert wird. Grund dafür ist der Rückzug vieler Institute aus der Staatsfinanzierung, weshalb immer wenige öffentliche Pfandbriefe begeben werden. Nach Schätzungen des Verbandes Deutscher Pfandbriefbanken wird das ausstehende Volumen an Pfandbriefen (Öffentliche Pfandbriefe, Hypotheken- sowie Schiffs- und Flugzeugpfandbriefe) in diesem Jahr unter die Marke von 500 Mrd. Euro sinken. Zum Vergleich: 2007 standen noch rund 850 Mrd. Euro. Viele Rückflüsse aus Pfandbriefen müssen aber wieder angelegt werden. Das dürfte die Nachfrage hoch halten.

Regulatorisch getriebene Nachfrage:
Die neue Bankenregulierung wird Covered Bonds, zu denen auch der Pfandbrief zählt, nach jetzigem Stand der Dinge für den so genannten Liquiditätspuffer bevorzugen und zumindest bei Top-Ratingnoten den Staatsanleihen gleichstellen. Damit dürfte die Nachfrage nach Banken nach diesen Anleihen hoch sein. Mit Hilfe des Liquiditätspuffers sollen Banken für 30 Jahre ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen können. Ob das funktionieren wird, steht zwar auf einem anderen Blatt, die Nachfrage nach Pfandbriefen und anderen Covered Bonds dürfte dies allerdings hoch halten.

Krisenbedingte Nachfrage:
Klar, Cedulas aus Spanien versprechen hübsche Renditen. Aber es ist halt nur ein Versprechen, denn niemand weiß, wie die Krise in der Euro-Zone wirklich ausgeht. Deutschland gilt unter Investoren hingegen als sichere Angelegenheit. Entsprechend werden sie ihr Geld auch weiterhin in deutsche Pfandbriefe anlegen, auch wenn deren Renditen gerade noch die Inflationsrate ausgleichen.

(Stefan Schaaf, Juli 2013)

Immobilienfinanzierer bauen auf Verbriefungen

Der anhaltende Immobilienhype in Deutschland zieht einen Boom bei den Immobilienfinanzierungen nach sich. Nicht nur der traditionsreiche Pfandbrief lief im ersten Halbjahr so gut wie lange nicht mehr. Ein starkes Comeback erlebte auch eine Anlageklasse, die von vielen schon totgesagt wurde: Die Verbriefung von Immobilienkrediten mittels forderungsbesicherten Wertpapieren, so genannten Assed Backed Securities (ABS). Am Markt spricht schon der eine oder andere von einem Revival dieser im Zuge der Finanzkrise in Misskredit geratenen Anlageklasse. Der Grund: In Zeiten mickriger Zinsen versprechen ABS institutionellen Investoren halbwegs auskömmliche Renditen.

Bei Verbriefungen werden Kreditpakete zusammengebündelt und nach Risikoklassen gebündelt an Investoren weiter verkauft. Da ABS auf minderwertige US-Hypotheken (Subprime) und die davon abgeleiteten synthetischen Produkte als ein Auslöser der Finanzkrise gelten, kam mit deren Beginn vor fünf Jahren auch das Geschäft in Europa zum Erliegen. Doch nun kam in Deutschland im ersten Halbjahr Schwung ins Verbriefungsgeschäft. Auf umgerechnet 9,​1 Mrd. Euro beziffert der Datenanbieter Dealogic das ABS-Emissionsvolumen in Deutschland im ersten Halbjahr. Das ist quasi Vorkrisen-Niveau. Denn zuletzt wurden in Deutschland im zweiten Halbjahr 2007 mit umgerechnet 9,​5 Mrd. Euro mehr ABS auf den Markt gebracht.

Der kräftige Anstieg geht auf das Konto einer üppigen Immobilienfinanzierung. Es waren zuletzt nicht nur die deutschen Autofinanzierer wie Volkswagen Financial Services, die zur Refinanzierung auf das Instrument ABS zugriffen. Erstmals seit längerem spielten verbriefte Gewerbe-Immoblienkredite (Commercial Mortage Backed Securities, CMBS) eine größere Rolle. Dazu trug der Immobilienkonzern Gagfah bei. Dessen Kreditgeber refinanzierten mittels einer über fünf Jahre laufenden Verbriefung einen in diesem Jahr fälligen Großkredit über 2,​1 Mrd. Euro. „Transaktionen dieser Art zeigen, dass Verbriefungen als Refinanzierungsinstrument wieder gefragt sind“, erklärte Michael Rützel, Partner bei der Kanzlei White & Case, die Gagfah bei der Transaktion beriet. Laut dem Branchen-Medium „Securization Intelligence“ war dies der größte CMBS-Deal in Europa seit dem Jahr 2008. Schon im Mai war ein weiterer Gagfah-Kredit über eine Mrd. Euro verbrieft worden. Mit den beiden Transaktionen dürfte das Unternehmen seine Refinanzierungsproblem gelöst haben, die existenzgefährdend hätten werden können.

Der Boom am deutschen Immobilienmarkt spiegelt sich aber auch am Pfandbrief wieder. Diese mit Hypothekenkrediten besicherten Bankanleihen sind in Deutschland das traditionelle Instrument der Immobilienfinanzierung. Im ersten Halbjahr emittierten die Banken laut Dealogic Pfandbriefe im Volumen von umgerechnet 16,​2 Mrd. Euro. Das waren drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit waren die deutschen Pfandbriefbanken erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2009 wieder die weltgrößten Emittenten von gedeckten Bankanleihen (Covered Bonds). Der Boom in Deutschland ist allerdings auch ein Spiegel der Krise anderswo. So hat Spanien mit den Cedulas einen der größten Märke für gedeckte Anleihen. Doch mit dem Zusammenbruch des dortigen Immobilienmarktes und dem Misstrauen gegenüber den spanischen Banken schrumpfte auch das Geschäft mit Cedulas.

(Stefan Schaaf, Juni 2013)

Anleihe-Emittenten sparen sich Ratingagentur

Es geht auch ohne: Immer mehr europäische Emittenten von Unternehmensanleihen sparen sich die Ratingagentur. Und dies im Wortsinne: Der Verzicht auf ein Rating spart Kosten und Mühe. Die Erfahrung einer wachsenden Zahl von Firmen belegt dies. Sie haben ihre Schuldverschreibungen erfolgreich und nicht selten zu für sie attraktiven Zinskonditionen am Markt platziert. Besonders gut klappt dies offenbar bei bekannten Markennamen. Rein rechtlich macht es für die Anleger ohnehin keinen Unterschied, ob Standard & Poor’s (S&P) oder eine andere Ratingagentur ihren Stempel auf das Wertpapier gedrückt hat.
Den Trend unterstreichen Zahlen des Datenanbieters Dealogic: Im ersten Halbjahr ging gut jede sechste der 3141 Platzierungen (Stand: 26. Juni 2013) ohne ein Rating über die Bühne. Der Anteil der ratingfreien Bonds an der Zahl der Emissionen nimmt dabei immer mehr zu. Ihr Anteil lag 2007 noch bei mickrigen 1,​7 Prozent und kletterte kontinuierlich auf die aktuellen rund 16 Prozent an. Gemessen am gesamten Emissionsvolumen ist der Anteil der ungerateten Bonds allerdings geringer, er liegt aktuell bei knapp fünf Prozent, 2007 war er jedoch erst ab der vierten Nachkommastelle messbar. Das zeigt auch: Ungeratete Anleihen sind meist kleinere Emissionen unterhalb des Benchmark-Volumens.
Ein prominenter Emittent ohne Anleihe-Rating ist der Autovermieter Sixt, der drei Bonds über 250 Millionen Euro beziehungsweise 300 Millionen Euro begeben hat. Sixt ist typisch für einen ungerateten Bond: Bekannter Markenname, kleine Stückelung und bösennotierte Aktie. „Die Privatanleger kennen Sixt und mögen unsere Werbung, daher kaufen sie die Bonds“, sagte kürzlich Sixt-Finanzchef Julian zu Pulitz. Sixt hat wie andere ungeratete Anleihe-Emittenten wie Hochtief oder Stada auf eine kleinanlegerfreundliche Stückelung von 1000 Euro gesetzt. Das ist jedoch keine Garantie für Anleger: Solarworld und Praktiker stehen für erhebliche Verluste mit Unternehmensanleihen dieser Stückelung.
Es gibt auch Ausnahmen wie Otto, aber meist sind die Emittenten von ungerateten Anleihen börsennotierte Unternehmen. Schließlich verzichtet sogar so manches Dax- oder MDax-Unternehmen auf ein Urteil von S&P, Moody’s und Co. Allerdings stehen diese Unternehmen unter Beaufsichtigung der Öffentlichkeit, legen sie doch jedes Quartal einen detaillierten Finanzbericht vor.
Emittenten müssen allerdings bedenken: Emissionen ohne Rating laufen meist in Schönwetterphasen gut. Wer regelmäßig Anleihen begeben und die großen Investoren ansprechen will, der wird kaum ohne eine Ratingagentur auskommen. (Stefan Schaaf, Juni 2013)Zahl der ungerateten Emissionen in Europa (erstes Halbjahr):

2007: 62
2008: 97
2009: 107
2010: 421
2011: 596
2012: 497
2013: 520

(Quelle: Dealogic)

Niedrigzinsen machen auch Provinz-Immobilien attraktiv

Internationale Investoren streben in den deutschen Immobilienmarkt. Davon profitieren dank niedriger Zinsen auch Standorte in der so genannten Provinz. Jüngstes Beispiel: Der kanadische Immobilieninvestor NorthWest International Healthcare Properties REIT hat im osthessischen Fulda das Gesundheitszentrum Medicum erworben. Für das Gebäude mit gut 11.​000 Quadratmetern Fläche haben die Kanadier laut dem britischen Datendienstleister Dealogic 15,​3 Mio. Euro gezahlt. Das Geschäft wirft auch ein Schlaglicht darauf, wie schwer es für Anleger künftig sein dürfte, eine positive Realrendite mit Immobilienbesicherten Pfandbriefen zu erzielen.Der Investor zahlte somit einen Quadratmeterpreis von knapp 1400 Euro je Quadratmeter. Der Kauf war der zweitgrößte Zukauf im Bereich Gesundheitswesen in Deutschland im laufenden Jahr, wie Dealogic berechnet hat. Medicum ist ein im Januar 2011 Jahren eröffnetes Gesundheitszentrum in Fulda im Gewerbegebiet Münsterfeld, einer ehemals von der US-Armee genutzten Liegenschaft. Verkäufer war der Fuldaer Investor Markus Röhner, Gründer und Vorstandchef von R + S Solutions AG. Laut dem Internetportal Osthessen-News hatte Röhner als Generalunternehmer das 11,​5 Mio. Euro teure Gebäude errichtet.

Finanziert wurde der Kauf laut NorthWest International durch eigene Mittel sowie einen Kredit der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenba­nk über 12 Mio. Kanadische Dollar (9,​1 Mio. Euro) mit einem auf fünf Jahre festgelegten Zinssatz von 2,​37 Prozent. Der Deal wirft damit auch ein Schlaglicht auf das, was Anleger mit Pfandbriefen in Zukunft noch verdienen können. Der Kredit könnte in einen Deckungsstock für Pfandbriefe wandern. Bei einem Zins von 2,​37 Prozent und den Kosten der Bank dürften für Anleger kaum noch zwei Prozent Rendite herausspringen, mithin gerade noch ein Ausgleich der Inflationsrate und damit der reale Kapitalerhalt. (Stefan Schaaf, Mai 2013)

Boom bei Besicherung? Markt für Covered Bonds lahmt

Die Zukunft der Bankenrefinanzierung liegt in der Besicherung, so verlautet es allenthalben. Auch in der FTD haben wir immer so argumentiert, schließlich erschwert die künftige Regulierung die unbesicherte Refinanzierung. Und die Angst der Investoren spricht sowieso für Besicherung. Bloß: Der Markt bestätigt die Annahmen nicht. Dass der ABS-Markt nicht recht in Schwung kommt, ist bekannt. Doch jetzt ist auch global das Neugeschäft bei Covered Bonds, zu denen in Deutschland der Pfandbrief zählt, eingebrochen. Gerade noch das Niveau des Krisenjahres 2009 wurde zuletzt erreicht, wie der britische Datenanbieter Dealogic berechnet hat.
„Die Covered-Bond-Emittenten haben 2013 bislang global 178 Deals abgeschlossen, das ist die geringste Aktivität in den ersten vier Monaten seit 1996“, hat Ilanit Flaksman von Dealogic berechnet. Das Emissionsvolumen brach um 54 Prozent auf 78,​3 Mrd. Dollar (60 Mrd. Euro) ein, der niedrigste Wert seit 2009, dem Jahr der Finanzkrise.
Der Rückgang dürfte indirekt eine Folge der Krise in der Euro-Zone sein. Insbesondere Banken in den Randstaaten kommen seltener mit neuen Anleihen an den Markt. Dies schlägt auf die Gesamtstatistik durch, schließlich ist Europa der weltweit führende Markt für besicherte Bankanleihen, während in den USA Verbriefungen eine größere Rolle für die Refinanzierung spielen. Von Januar bis April liehen sich laut Dealogic europäische Banken 45 Prozent weniger über besicherte Anleihen als im Vorjahreszeitraum. Es waren 71,​5 Mrd. Dollar im Vergleich zu 130,​3 Mrd. Dollar. Die Zahl der Deals sank auf 168 von 325.
Die Krisenfolgen zeigen sich auch daran, dass der Anteil Deutschland am Neugeschäft mit Covered Bonds gestiegen ist. Er betrug in den ersten vier Monaten 18 Prozent im Vergleich zu 13,​5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Allerdings spricht auch die LBBW, eine der großen Konsortial- und Emissionsbanken bei Covered Bonds, nur von einem „zaghaften Frühlingserwachen auf dem Primärmarkt“. Im vergangenen Jahr war das Emissionsvolumen deutscher Pfandbriefe laut dem Verband der Pfandbriefbanken um 22 Prozent auf 56,​5 Mrd. Euro kräftig gesunken. Der Verband macht dafür zwei Gründe verantwortlich: viele Banken hätten sich lieber Geld aus den Drei-Jahres-Tendern der EZB geliehen als am Markt, zudem verliere der öffentliche Pfandbrief (gedeckt mit Forderungen gegen die öffentliche Hand) an Bedeutung.

(Stefan Schaaf, Mai 2013)

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